NO LIMITS – Disability & Performing Arts Festival Berlin
11.–21. November 2026
HAU Hebbel am Ufer / Theater Thikwa / Ballhaus Ost / Theater an der Parkaue
In seiner zwölften Ausgabe zeigt NO LIMITS ein vielseitiges Programm mit Produktionen von Künstler*innen, die sich als behindert, blind, chronisch krank, T*taub, mit Lernschwierigkeiten oder neurodivergent bezeichnen.
Deutschlands größtes und wichtigstes Festival für Disability & Performing Arts wird 2026 erstmals ausschließlich von behinderten Expert*innen kuratiert. Zwischen postapokalyptischen Überlebensstrategien aus der Schweiz und einer Überschreibung von Dantes „Göttlicher Komödie“ aus Belgien, einer Mythen-Abrechnung aus Brasilien und bildstarkem Theater aus Polen werden starke ästhetische Handschriften mit Haltung sichtbar.
In Zusammenarbeit mit dem HAU Hebbel am Ufer, Theater Thikwa, Ballhaus Ost und dem Theater an der Parkaue präsentiert NO LIMITS internationale Theater-, Tanz- und Performance-Gruppen, außerdem Workshops, Partys und Austauschformate. Besondere Schwerpunkte sind 2026 die behinderte künstlerische Autor*innenschaft sowie die Zugänglichkeit der Spielstätten und Aufführungen.
Grußwort der Kurator*innen
Liebes Publikum, liebe Künstler*innen, liebe Kolleg*innen,
als Kurationsteam für die aktuelle Ausgabe von NO LIMITS möchten wir euch willkommen heißen!
Zum ersten Mal wurde das Programm ausschließlich von einem behinderten Kuratorium entschieden, bestehend aus uns vier Künstler*innen: Leo, Yulia, Konstantin und Saioa.
Aus Bewerbungen, Empfehlungen und eigener Recherche haben wir über 100 Produktionen gesichtet, um eine künstlerisch vielfältige und internationale Auswahl zu treffen.
Wir zeigen überwiegend Stücke, die unter der Leitung behinderter Künstler*innen entstanden sind: als Regiepersonen, Dramaturg*innen, Choreograf*innen, Autor*innen oder co-kreierende Performer*innen. Das bedeutet für uns Disabled Leadership: dass behinderte Künstler*innen nicht nur auf der Bühne sind, sondern maßgeblich über die Ästhetik und den Inhalt der Arbeit bestimmen.
Dabei waren die künstlerische Idee und deren Umsetzung für uns das zentrale Kriterium, ebenso Bezüge zu aktuellen gesellschaftlichen Debatten. Das Programm enthält zahlreiche Berlin-Premieren und auch Inszenierungen, die bereits in Berlin zu sehen waren und die wir einem größeren Publikum eröffnen wollen. Denn oft geht es bei Festivals darum, möglichst viele exklusive und neue Stücke einzuladen. Wir finden, dass dieser Anspruch nicht zu unserer Idee von behinderter Kuration passt.
Außerdem war es uns wichtig, verschiedene Behinderungsperspektiven zu repräsentieren und Stücke auszuwählen, die für möglichst viele Menschen erlebbar sind, da sie Formen von Aesthetics of Access (Ästhetiken der Zugänglichkeit) nutzen. So gibt es Stücke im Programm, die kreative Audiodeskription integrieren, mehrsprachig und mit paralleler Verdolmetschung arbeiten oder als Relaxed Performance konzipiert sind.
Im Rahmen der Kuration wurde uns einmal mehr bewusst, dass Barrierefreiheit immer noch eine große Budgetfrage ist. Die Aushandlung zwischen einem möglichst umfangreichen Programm und dem gesicherten Zugang für unser gesamtes Publikum war eine Herausforderung, der wir uns intensiv angenommen haben und hoffen, eine gute Grundlage auch für zukünftige Festivalausgaben geschaffen zu haben.
Zu unserer kuratorischen Arbeit zählt auch die strukturelle Weiterentwicklung des Festivals. Gemeinsam mit Elisabeth und Christina, die NO LIMITS leiten, haben wir den nächsten Schritt beschlossen: Ab 2028 wird die künstlerische Leitung ausschließlich behindert besetzt. Damit wird NO LIMITS als größtes Disability Arts Festival in Deutschland einer längst überfälligen Forderung aus der Crip Community gerecht.
Mit dieser Aussicht freuen wir uns auf das Festivalprogramm mit euch – wir hoffen, dass euch die Produktionen und das Begleitprogramm begeistern, beirren, berühren und in jede mögliche Form von Bewegung bringen.
Euer Kurationsteam NO LIMITS 2026
Leo Naomi Baur, Yulia Yáñez Schmidt, Konstantin Langenick und Saioa Alvarez
Grußwort der Festivalleitung
Der Ton wird rauer, rechte Positionen gewinnen an Boden, und Rechte behinderter Menschen, die über Jahrzehnte erkämpft wurden, stehen plötzlich wieder zur Debatte: Bei Teilhabe und Barrierefreiheit wird zuerst gekürzt. Die Künstler*innen in diesem Programm antworten darauf auf ihre Weise – überraschend oft mit Liebe. In „Amoroso“ zeigt das Teatr Klucz aus Polen die Liebe in all ihren Formen, poetisch und traumhaft. „Bodies we fall for“aus Zypern fragt, ob alle Körper den gleichen Zugang zur Liebe haben. In „Chaos der Gefühle“ sind ein Hormon, eine Erdbeere und der Frust außer Rand und Band.
Genauso oft geht es in der zwölften Ausgabe von NO LIMITS um Arbeit und darum, was ein Mensch wert ist. Jéssica Teixeira erzählt in „Monga“ von Julia Pastrana, die in Freak Shows ausgebeutet wurde. Dan Daw fragt in „EXXY“, wie man sich selbst wertschätzt, wenn die Gesellschaft es nicht tut. Bei „FairÄnderung“ fragt das Theater Thikwa, wie faire Arbeitsmodelle für behinderte Künstler*innen aussehen können. Diese Fragen stellen wir uns auch und wollen sie mit euch diskutieren.
Elf Tage, vier Spielstätten, Gäste aus ganz Europa, Australien und Brasilien. Sechs Produktionen sind zum ersten Mal in Deutschland zu sehen. Ausgewählt hat das Programm in diesem Jahr erstmals ein ausschließlich behindertes Kurationsteam: Leo Naomi Baur, Yulia Yáñez Schmidt, Konstantin Langenick und Saioa Alvarez.
Ein Schwerpunkt bleibt die Zugänglichkeit. Bei „Bioluminescence“ von Criptonite kommt das behinderte Publikum zuerst, mit einem eigenen Prolog, einer Tastführung und Early Boarding. „Ex Silens“ von Marco Donnarumma ist für T*aube, schwerhörige und hörende Menschen gleichermaßen gemacht. Dazu gibt es im ganzen Festival Gebärdensprache, Audiodeskription, Übertitel, Leichte Sprache und Relaxed Performances.
Wir wollen mit euch ins Gespräch kommen, nicht nur übers Programmheft. Beim NachTisch nach „Justices“ und „Amoroso“ sitzen Künstler*innen und unser Team im WAU zusammen, ohne Podium und ohne Mikrofon. Setzt euch dazu!
Als Leitung möchten wir dafür sorgen, dass NO LIMITS eine Zukunft hat und sich weiter verändern kann. Wir freuen uns sehr, diesen Weg gemeinsam mit euch zu gehen.
Danke an das HAU Hebbel am Ufer, das Theater Thikwa, das Ballhaus Ost und das Theater an der Parkaue und an unser großartiges Team, das seit Monaten dafür arbeitet, dass dieses Festival stattfinden kann.
Wir sehen uns im November!
Elisabeth und Christina Schelhas
Leitung NO LIMITS / Lebenshilfe Kunst und Kultur gGmbH
Konzepte
AESTHETICS OF ACCESS
Barrierefreiheit wird von Beginn an als kreatives, ästhetisches Element in das Stück integriert und ist keine nachträgliche Hilfsmaßnahme (z. B. eine separat am Rand stehende DGS-Dolmetschung). Zugangsformen wie Audiodeskriptionen, Gebärdensprache oder taktile Bühnenbilder werden zu einem integralen Teil der Inszenierung. Diese Umsetzung erfordert die Expertise behinderter Künstler*innen.
DISABLED LEADERSHIP
Die künstlerischen und organisatorischen Entscheidungen liegen bei Personen, die sich als behindert, blind, T*taub, chronisch krank, mit Lernschwierigkeiten oder neurodivergent bezeichnen. Dadurch wird sichergestellt, dass die Perspektiven und Bedürfnisse marginalisierter Gruppen strukturell den Ton angeben.
DISABLED AUTHORSHIP
Die Urheberschaft von Texten, Drehbüchern oder Theaterstücken liegt bei behinderten Autor*innen. Im Zentrum steht dabei, dass behinderte Künstler*innen ihre eigene künstlerische Sprache auf die Bühne bringen und nicht aus nichtbehinderter, oft stereotyper Außenperspektive über sie erzählt wird.
ALL DISABLED CAST
Das gesamte Ensemble auf der Bühne besteht ausschließlich aus Darsteller*innen, die sich als behindert, blind, T*taub, chronisch krank, mit Lernschwierigkeiten oder neurodivergent bezeichnen. Das schafft einen geschützten Raum für die Beteiligten und rückt die selbstbestimmte Repräsentation von Behinderung in den Mittelpunkt der Inszenierung.
LIVED EXPERIENCE
Die Auseinandersetzung mit der eigenen, alltäglichen Behinderungserfahrung ist zentrales inhaltliches oder ästhetisches Element des Stücks. Das gelebte Erfahrungswissen der behinderten Künstler*innen bildet dabei das Fundament der Arbeit.
